Die Bergmannsglocke auch Häuerglocke genannt, spielte in den damaligen Gruben eine ganz besondere Rolle.

Solange in den Haushalten der bergmännischen Bevölkerung eigene Uhren fehlten, musste öffentlich dafür gesorgt werden, dass ein pünktlicher Schichtbeginn auf den Gruben garantiert war.

Dafür läuteten in den Bergorten so genannte "Schichtglocken" oder "Häuerglocken", die entweder auf speziellen Anläutetürmen oder auf den Kirchturm hingen.

Später wurden auch Bergkapellen und Huthäuser mit Glocken ausgerüstet, die ebenfalls die Funktion des Schichtläutens übernahmen.

Die Glocken läuteten sowohl zum Wecken, als auch eine Stunde später für den Schichtbeginn, d.h. das Läuten erfolgte um 3 und um 4 Uhr für die erste Tagesschicht, um 11 und um 12 Uhr für die zweite Tagesschicht und um 19 und um 20 Uhr für die Nachtschicht.

Das Schichtläuten wird auch in mehreren Bergmannsliedern wiedergegeben  z.B. in

„ Wenn das Glöcklein drei tut läuten“

„ Wenn’s Glöckel dreie lett“

„ Lieg ich vor stillem Ort allein“

„ Hinab, hinab, die Glocke ruft“

Aber auch das Schichtende zum Ausfahren der Bergleute wurde akustisch durch die Schichtglocke angezeigt.

Georgius Agricola schreibt dazu in seinem Meisterwerk „De re metallica libri XII“ (12 Bücher vom Bergbau u. Hüttenwesen) am Ende des 4. Buches.

Aber wan nun zun Schichte zufahren ist / zeiget dieß den Arbeitern / der thon einer grossen glocke an / welche so man leutet / sievon hauß zehaus / wiederumb zu ihren gruben lauffendt : zu gleicher weiß zeiget auch der thon dieser glockenn / dem Schichtmeister an / die Schicht seye abgefahren / derhalben so er das leuten höret / so klopffet er an die büne des Schachtes / und gibt den bergkheuwern ein zeichen heraus zu fahren. Derhalben die nächsten so bald sie denn thon hörendt / so schlahendt sie mit den feustell an das gestein und kopt der thon / zu den allerletzten.

 

Dieses akustische Signal zum Schichtende vom Steiger über Tage zu den Bergleuten im Schacht und deren Weiterleitung durch Schläge mit dem Fäustel an den Stoß bis zu den Entferntesten Örtern wird als „Auspochen“ bezeichnet.

Diese Tradition reichte bis in unserer Zeit, nur waren auf den Zechen, anstatt Glocken, Sirenen oder andere Signalgeber installiert, die zum Schichtbeginn – und Schichtende für kurze Zeit liefen.

Davon abgeleitet wird diese Tradition von den Knappschaftsvereinen, in verkürzter Form, zu ihren Quartalsversammlungen weiter durchgeführt.

Der Anfang und das Ende des Quartals wird so wie früher die Schicht „Ein- und Ausgeläutet“ wurde, jetzt mit Glockenschlägen  „Ein – und Ausgeschlagen“.

Einige Knappschaftsvereine deuten diese drei Glockenschläge mit der heiligen Dreifaltigkeit :

„dem Vater / dem Sohn / und dem heiligen Geist“

Da diese Version bisher noch in keiner Literatur belegt ist, wollen wir wie andere Vereine von den historischen drei Glockenschlägen sprechen.

Diese Version ist am glaubhaftesten, weil sie höchstwahrscheinlich von den oben erwähnten „Auspochen“ übernommen bzw. in abgeleiteter  Form von Glockenschlägen weiter in den Knappschaftsvereinen gehandhabt wird.

 

Vereinshäuerglocke

 

 
 
 

Zur Scheibenberger Häuerglocke !

 

Die Scheibenberger Häuerglocke wurde 1522 in Chemnitz für 24 Gulden gegossen und ist da die Bergglocken von Annaberg, Marienberg und Freiberg im Laufe der Jahrhunderte erneuert werden mussten, also jüngern Datums sind, eine der ältesten erhaltenen Bergglocken Sachsens.

Auf der Glocke ist ein gotisches Messwerkfries und die Worte:

ave maria gratia  plena dns tecum“

was übersetzt heißt: 

Gegrüßt seiest du Maria, du Gnadenreiche, der Herr ist mit dir.

 

Die Glocke hat ein Gewicht von  87,5 kg  und hat den Ton  „ g.“

Die Glocke wird im Volksmund  „Silberglöckl“ genannt,  weil sie angeblich aus Silber hergestellt sei, jedoch trifft dies nicht zu, sie besteht aus einer gewöhnlichen Bronzelegierung (Kupfer und Zinn).   Erstaunlich ist jedoch wie „silberhell“ die Bronze geraten ist.

Die Bergglocke hing zuerst im Dachreiter der Kirche,  im 18. Jahrhundert hing sie ein paar Jahre auf dem Rathaustürmchen und hängt seit 1774 in der „Laterne“ also an höchster Stelle des Kirchturmes der St. Johanniskirche zu Scheibenberg. Sie diente Bergbau, Kirche und der Stadt.

 

Literaturhinweise:

-         Sächsisches Bergmannsliederbuch (Seite 23 – 24)

-         De re metallica libri XII  (am Ende des 4. Buches)

      -    Pfarrer Schmidt-Brücken Scheibenberg (aus Kirchenchronik)